Aktuelle Veranstaltungen

Der verkannte Papst:

Paul VI. – Diener der Kirche und Reformer.
Wegbereiter der Kirche des 21. Jahrhunderts?

9. wissenschaftliches Seminar der KDStV Saarland (Saarbrücken) zu Jena

Friedrich-Schiller-Universität Jena, Seminarraum 309, Carl-Zeiß-Straße 3[1]

Datum: 12. November 2022, 9 – 17 Uhr

Eine digitale Zuschaltung wird möglich sein

Das Programm als PDF ist hier zu finden: Programm 2022

 

Einführung:

Der Beginn der 20er-Jahre dieses Jahrhunderts zeigt auffällige Gedenkjahre eines u. E. großen aber verkannten Papstes in Zeiten weltlichen und kirchlichen Umbruchs: Paul VI (1963 – 1978).

Diese Gedenkjahre sind:

  • 2020 das 100. Jahr seiner Priesterweihe
  • 2022 das 125. Jahr seiner Geburt und insbesondere das Jahr
  • 2023 das 60. Jahr seiner Wahl und Krönung, das 55. Jahr der Veröffentlichung von Humanae vitae, das 45. Jahr seines Todes und das 5. Jahr seiner Heiligsprechung.

Aber nicht nur die Fülle dieses Gedenkens bietet Anlass genug sich im Rahmen eines Seminars mit dieser außergewöhnlichen, auch umstrittenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen. „Innerkirchlich galt Paul VI den Konservativen als zu liberal, den Progressiven als zu reaktionär – ein Widerstreit, der seine integre Persönlichkeit zermürbte.“[1]

 

Schon früh in der Kurie als Neuerer angesehen, galt Giovanni Battista Montini, nach Jahren des Dienstes im Staatssekretariat und als Erzbischof von Mailand – in dieser Zeit widmete er sich stark der Arbeiterfrage – bereits nach dem Tod Pius XII 1958, obwohl (noch) kein Kardinal, als „papabile“. Zum Papst gewählt wurde er aber erst am 21. Juni 1963 als Nachfolger des als Vater des II. Vatikanischen Konzils geltenden Johannes XXIII.

 

Sein erstes großes Verdienst ist die Fortführung dieses Konzils und noch mehr die Umsetzung dessen Beschlüsse in die kirchliche Praxis. Von seinen Reformen ist der breiten Öffentlichkeit leider wohl „nur“ die der Liturgie in Erinnerung. Um nur einige andere Reformen zu nennen: Paul VI hat die Kurie grundlegend reformiert, den päpstlichen Hof in das päpstliche Haus gewandelt und dabei manch klerikalen und monastischen Zopf abgeschnitten.

Den über 400 Jahre geltenden Index der verbotenen Bücher hat er 1965 mit einem Nebensatz in der Anordnung zur Umgestaltung des Heiligen Offiziums (heute Kongregation für die Glaubenslehre) abgeschafft.

 

Er war, noch vor Johannes Paul II, der eigentliche Reisepapst, der die Welt besuchte. Am 4. Oktober 1965 sprach er als erster Papst vor der UN-Vollversammlung und rief die Welt zu Frieden und Gerechtigkeit auf. Auch vor Kontakten mit der kommunistischen Führung der (damaligen) Sowjetunion hatte er keine Scheu. Er baute Brücken zu den orthodoxen Christen (mit Aufhebung des Morgenländischen Schismas von 1054) und zum Judentum (mit faktischer Anerkennung des Staates Israel).

 

Diesem aufgeschlossenen, auch kunstsinnigen Kirchenmann wird man gewiss nicht gerecht, wenn man ihn, wie in der öffentlichen Wahrnehmung weit verbreitet, auf die Veröffentlichung seiner letzten Enzyklika humanae vitae 1968 reduziert, mit der er alle Mittel der künstlichen Empfängnisverhütung verbot. Diese Enzyklika, die Liebe und Verantwortung in den Vordergrund stellt, war und ist auch innerkirchlich umstritten und verdient eine ernsthafte Neubetrachtung.

 

Eine Fülle von Aspekten, denen wir in unserem Seminar nachgehen wollen. Zu unserer Intention gehört auch, zu prüfen, ob nicht die „Lebensbotschaft“ Paul VI, dieses „vergessenen Papstes“ (Ernesti), geeignet ist, uns – angesichts einer weiter abnehmenden Zahl der kirchlich organisierten Christen – Impulse zu geben, für neue Formen und eine neue Spiritualität in der Diaspora der nahen Zukunft.

[1] Aus der Kurzbeschreibung des Verlags zu der Biographie Paul VI von Jörg Ernesti; s. https://www.herder.de/religion-spiritualitaet-shop/paul-vi.-gebundene-ausgabe/c-38/p-3755/

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Geplantes Programm:

 

9:00      Begrüßung:
Dipl.-Ing. Matthias Neff, Philistersenior der KDStV Saarland
Prof. Dr. Michael Klein, Präsident der CV[2]-Akademie

 

           Grußworte:
           Prof. Dr. Christopher Spehr, Dekan der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität, Jena

           Dr. Claus-Michael Lommer, Vorsitzender im CV-Rat und des AHB[4] -Vorstandes

 

Wissenschaftliches Programm:

Leitung Prof. Dr. Norbert Schöndorf

 

  9:30    Der verkannte Papst – eine Einführung in das Seminar (Pfeifer)

 

  9:45    Ein Lebensbild: Konzilspapst – Reformpapst – Ökumene Papst (Ernesti)

 

10:30    Kaffeepause

 

10:45    Die „moderne“ Liturgie – von Pius XII zu Paul VI (Zieroff)

 

11:30    Paul VI. – ein Vater der weltweiten Ökumene (Conrad)

 

12:15    Pause, Mittagstisch in der Mensa

 

13:15    Vom päpstlichen Hof zum päpstlichen Haus – Nicht die einzige Reform Paul VI (Nersinger)

 

14:00    Kaffeepause

 

14:15    Humanae vitae – Prophetisches Dokument oder Grenze des Lehramtes[5] (Breitsameter)

 

15:00    Abschlussdiskussion:

Papst Paul VI. – Symbol einer kirchlichen Vergangenheit oder Leitfigur für die Zukunft? (Leitung: Naumann)

 

15:45    Tagesresümee und Schlusswort (Senior der KDStV Saarland)

 

16:00    Ende der Veranstaltung

 

Die Zeitangaben für die Vorträge beinhalten auch Nachfragen zum Verständnis am Ende des Vortrags. Diskussionen bleiben den dafür vorgesehenen Zeiten vorbehalten

 

 

Unsere Referenten und Redner:

 

Prof. Dr. Christof Breitsameter, Professur für Moraltheologie an der Katholisch –Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München

 

Prof. Dr. Joachim Conrad, Professor für Kirchengeschichte, Universität des Saarlandes, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Kölln (Püttlingen)

 

Prof. Dr. Dr. Jörg Ernesti, Professur für Kirchengeschichte (Mittlere und Neue), Universität Augsburg

 

  1. Wendelinus Naumann OSB (Sld), Dipl.-Theol., M.A.; Abtei St. Mauritius, Tholey

Ulrich Nersinger (Cp), Dipl.-Theol. Journalist u. Vatikanexperte, Eschweiler

 

Prof. Dr. Gabriele Zieroff, Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft der Universität Regensburg

 

NN, stud…., Senior der KDStV Saarland, Jena

 

Dipl.-Kfm. Hans-Günter Pfeifer (Sld), Bundesbankdirektor a.D., Püttlingen

 

Prof. Dr. Norbert Schöndorf (Sld), Chefarzt i.R., Saarlouis

[3] Cartellverband der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen (CV)

[4] Altherrenbund

[5] Vgl. zur Themenfindung: https://de.wikipedia.org/wiki/Humanae_vitae